Abendstimmung am Hafen von Portocolom
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Die besten Adressen
des Ostens.

East-Side-Magazin · Ausgabe 01 · Juni 2026 · 6 Min. Lesezeit

Der Westen Mallorcas hat seine Adressen längst veröffentlicht. Jede Bucht ein Geheimtipp, der keiner mehr ist, jede Reservierung ein Wettbewerb. Der Osten verfährt anders: Seine besten Häuser stehen in keinem Schaufenster, sie stehen neben Pfarrkirchen, über Fischereigenossenschaften, in umgebauten Schafställen. Wer zwischen Artà und Ses Salines gut essen, anlegen oder einkaufen will, braucht keine Liste der lautesten Namen, sondern eine der richtigen. Sechzehn Adressen, fünf Rubriken — und die stille Übereinkunft, dass man hier nicht einfach hineinläuft. Man kündigt sich an.

Die Tische

Voro, Canyamel. Über dem Tal von Canyamel, im Cap Vermell Grand Hotel am Fuß des gleichnamigen Kaps, kocht Álvaro Salazar auf einem Niveau, das es im Osten der Insel zuvor nicht gab. Zwei Menüs, Voro und Devoro, folgen dem Lauf der Sonne durch den Tag, in Kapiteln von Dawn bis Sunset, mediterran verwurzelt und ohne Anbiederung. Der Guide MICHELIN España 2025 führt das Haus mit zwei Sternen — als erstes Restaurant der Balearen überhaupt. Der Beleg, dass der Osten dem gesättigten Westen kulinarisch nichts schuldet, liegt also ausgerechnet fernab von Palma.

Laudat, Santanyí. Ein altes mallorquinisches Stadthaus neben der Pfarrkirche Sant Andreu, ein Patio im Schatten eines Zitronenbaums, eine Karte, die sich auf das Mittelmeer und die Saison verlässt. Vom Guide MICHELIN empfohlen, ohne dass das Haus damit hausieren ginge; die Küche setzt auf Präzision statt Pose. In der Saison empfiehlt sich die Reservierung zwei bis drei Wochen im Voraus. Der Ort spricht sich herum.

Cassai Gran Café & Restaurant, Ses Salines. Ein über 300 Jahre altes Stadthaus in der Calle Sitjar, Natursteinwände, ein bepflanzter Patio. Auf der Karte: Tatar vom roten Thunfisch, Reis mit Languste, Petersfisch — traditionelle mallorquinische Küche mit Gegenwart. Es Trenc liegt zehn Minuten entfernt; das Haus selbst ist Grund genug, in Ses Salines zu bleiben.

Forn Nou, Artà. In den Gassen unterhalb von Sant Salvador gelegen, gegessen wird im Gewölbekeller an der offenen Küche oder auf der kleinen Dachterrasse mit Rundblick über die Dächer des Ortes; mehr als eine Handvoll Tische gibt es oben nicht. Dass zum Restaurant ein Petit Hotel gehört, passt zur Logik des Hauses: bleiben, nicht durchreisen.

Das Meer auf dem Teller

Sa Llotja, Portocolom. Im Obergeschoss der Fischereigenossenschaft, die Dachterrasse über dem Wasser, der Blick auf Leuchtturm und Bucht. Der Fang kommt von unten, aus dem Hafen; Jakobsmuscheln und Calamari vom Grill, dazu eine Weinkarte mit Haltung und ein Service, der eher familiär als förmlich ist. Ein Haus, das erklärt, warum Portocolom der vielleicht ehrlichste Hafen Mallorcas ist.

Sal de Cocó, Colònia de Sant Jordi. Am Moll de Pescadors, auf einer kleinen Landzunge im Wasser, kocht Marta Rosselló das, was die örtliche Flotte am Morgen anlandet — Marktküche mit Eigensinn, kreativ, nie laut. Die Guía Repsol, neben Michelin der maßgebliche Restaurantführer Spaniens, führt das Haus. Eine Köchin, die am Hafen ihres Großvaters geblieben ist, statt nach Palma zu gehen.

Chiringuito Cala Llombards. Die Bucht von Cala Llombards gehört zu den stillsten des Südostens, und der Chiringuito am Sand ist ihr einziges Haus. Nach einem Betreiberwechsel neu aufgesetzt: frische Meeresfrüchte, kleine Tintenfische, eine überraschend ernsthafte Weinkarte zu fairen Preisen. Kein Club, keine Liegen-Choreografie, kein Bass. Nur Salz, Schatten und ein Tisch nah am Wasser.

Die Häfen

Club Nàutic Portocolom. Portocolom besitzt einen der größten Naturhäfen Mallorcas, und er sieht noch aus wie einer: Bootshäuser am Wasser, Llaüts an den Bojen, der Leuchtturm auf der Landzunge. Der Club verwaltet rund 252 Liegeplätze; Gastlieger machen am Außenpier im Norden oder an den Schwimmstegen südlich der Handelsmole fest. Keine Superyacht-Kulisse — genau das ist der Punkt.

Reial Club Nàutic Portopetro. Porto Petro hat sich dem Ausbau verweigert: kein Strand im Ort, kein Rummel, nur eine tief eingeschnittene Naturbucht mit dem königlichen Yachtclub an ihrem Ufer, der Liegeplätze wie Bojenfelder betreibt und dabei angenehm klein bleibt. Der Naturpark Mondragó beginnt gleich hinter der nächsten Landzunge.

Marina de Cala d'Or. Der Vollservice-Hafen des Südostens: 499 Liegeplätze, Travellifts mit 45 und 65 Tonnen, technischer Dienst für die gängigen Motorenmarken, Restaurants und Boutiquen am Kai — rund 65 Kilometer von Palma und damit bewusst außerhalb des westlichen Trubels. Die Marina liefert die Infrastruktur, Portocolom und Porto Petro liefern die Stille; zusammen ergibt das die maritime Grundausstattung der Region.

Die Weingüter der D.O. Pla i Llevant

4 Kilos Vinícola, Felanitx. Francesc Grimalt, zuvor Önologe bei Ànima Negra, und Sergio Caballero gründeten 2006 eine Bodega, deren Name das Startkapital zitiert: vier Millionen Peseten. Grimalt gilt als der Mann, der die autochthone Callet-Traube rehabilitiert hat; gearbeitet wird weitgehend bio-zertifiziert, verkostet im umgebauten Schafstall, nach Voranmeldung. Man wird empfangen, nicht abgefertigt.

Vins Miquel Gelabert, Manacor. Neun Hektar in elf Kleinparzellen, verteilt auf Manacor, Felanitx und Petra — eine Größenordnung, die man Handarbeit nennen muss. Über 150 Auszeichnungen, überwiegend Gold, dokumentieren das Ergebnis; der Torrent Negre ist der bekannteste Wein des Hauses. Klein, eigensinnig, ohne Eile.

Can Majoral, Algaida. Seit 1979 bewirtschaftet die Familie Oliver die Lagen Son Reus und Son Roig auf rund 200 Metern Höhe — als erstes bio-zertifiziertes Weingut der Balearen und zweites Spaniens, lange bevor das Etikett zum Verkaufsargument wurde. Im Zentrum stehen die alten Inselsorten Manto Negro, Callet und Prensal. Ein Weingut als Haltung, nicht als Kulisse.

Der Takt der Woche

Vall d'Or Golf, S'Horta. Zwischen Portocolom und Cala d'Or liegt seit 1986 der traditionsreiche Platz des Südostens, entworfen von Bradford Benz, später auf 18 Löcher erweitert, Par 71. Das dritte Loch, ein Par 5 mit erhöhtem Abschlag und Blick über die Bucht von Portocolom, zählt zu den schönsten der Insel. Anspruchsvoll genug, nie überlaufen.

Die Wochenmärkte. Drei Termine strukturieren die Woche des Inselostens. Mittwochs und samstags füllt der Markt von Santanyí von acht bis dreizehn Uhr die Gassen der Altstadt; dienstags zieht Artà seine Stände in die historische Markthalle, mit Töpferware und dem traditionellen Flechtwerk aus getrockneten Palmblättern; sonntags gehört der Vormittag Felanitx, dem bäuerlichsten der drei. Wer die Region kaufen will, sollte sie zuerst so kennenlernen — über Gemüse, Oliven, Mandeln und Gespräche, die sich nicht beeilen.

Can Ferrereta, Santanyí. Ein Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert im historischen Kern, 32 Zimmer und Suiten, Mitglied der Small Luxury Hotels of the World, dazu zeitgenössische Kunst, ein Spa mit Innenpool und das Restaurant Ocre mit regionaler Produktküche. Nichts hier schreit, nichts blinkt. Das Haus ist die vielleicht präziseste Referenz dafür, welches Lebensgefühl der Südosten meint, wenn er von Stille als dem neuen Luxus spricht.

Sechzehn Adressen, kein einziges Schaufenster. Der Osten empfiehlt sich nicht, er lässt sich finden — und wer ihn gefunden hat, gibt die Adressen nur ungern weiter. East-Side-Mallorca nennt sie trotzdem. Einladung genug.

Quellen

https://guide.michelin.com/kr/en/islas-baleares/canyamel/restaurant/voro

https://guide.michelin.com/en/islas-baleares/santanyi/restaurant/laudat

https://restaurantsallotjaportocolom.com/de/

https://cassai.es/

https://www.guiarepsol.com/es/fichas/restaurante/sal-de-coco-11057/

https://fornnou-arta.com/en

https://www.tripadvisor.com/Restaurant_Review-g663368-d4505106-Reviews-Chiringuito_Cala_Llombards-Santanyi_Majorca_Balearic_Islands.html

https://www.seemallorca.com/sea/marinas/port-de-portocolom---marina

https://www.rcnportopetro.com/

https://marinacalador.es/?lang=en

https://valldorgolf.com/en/

https://www.illesbalears.travel/en/mallorca/winery-4kilos-vinicola

https://vinsmiquelgelabert.com/en/winery/

https://www.delinat.com/can-majoral.html

https://www.mallorca-today.com/markets/santanyi/

https://www.hotelcanferrereta.com/en/hotel/can-ferrereta/

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