Die schönsten Orte
des Ostens.
Wer Mallorca kennt, kennt meist nur die Hälfte. Der Westen hat seine Bühnen, seine Promenaden, seine Preise. Der Osten und Südosten der Insel haben etwas anderes: Häfen, die noch Häfen sind, Dörfer aus Marès-Stein, Küsten, die unter Naturschutz stehen und es bleiben werden. Hier liegt das Mallorca, das die bekannten Adressen vor dreißig Jahren waren – authentisch, still, mit Substanz. Die folgende Strecke versammelt zehn Orte, die diese These tragen. Keine Rangliste, sondern eine Einladung: Man muss sie sich erschließen, denn beworben werden sie nicht. Genau darin liegt ihr Wert.
Santanyí
Santanyí ist der heimliche Hauptort des Südostens. Die Fassaden aus goldgelbem Marès-Sandstein, seit Jahrhunderten in den umliegenden Brüchen gewonnen, geben der Kleinstadt ein Licht, das Galeristen und Architekten früh verstanden haben. Hinter der Porta Murada, dem Stadttor aus dem 14. Jahrhundert und letztem Rest der Stadtmauer, liegen stille Gassen, Ateliers und Höfe, die ohne Inszenierung auskommen. Mittwochs und samstags füllt der Markt mit über 150 Ständen die Altstadt, danach kehrt die Ruhe zurück. Urkundliche Geschichte seit 1236, Steinmetzhandwerk, zehn Minuten bis zu den Buchten des Naturparks Mondragó: Santanyí ist Substanz statt Kulisse.
Cala Figuera
Cala Figuera ist der seltene Fall eines Ortes, den der Tourismus gestreift, aber nicht verändert hat. Die fjordartige Bucht teilt sich in zwei schmale Wasserarme, den Caló d'en Busques und den Caló d'en Boira; an ihren Ufern stehen Bootshäuser mit grünen Toren direkt am Wasser, am Vormittag flicken Fischer noch ihre Netze. Ein Sandstrand fehlt – und genau das hat den Ort bewahrt, während andernorts Hotelketten bauten. Die ersten Wohnhäuser entstanden Ende des 19. Jahrhunderts, viel mehr ist seither nicht dazugekommen. Wer abends über dem Hafen steht, hört Wasser, Taue, wenig mehr. Schönheit, die nicht beworben werden muss.
Portocolom
Portocolom liegt am größten Naturhafen Mallorcas, und man spürt, dass der Ort dem Wasser gehört, nicht umgekehrt. Pastellfarbene Bootshäuser säumen das Hafenbecken, dahinter das alte Fischerviertel mit niedrigen Häusern und schmalen Gassen. Seit 1861 steht der Leuchtturm an der Einfahrt, die Legende einer Kolumbus-Geburt hält sich im Namen. Der Ort hat Jachten, aber keine Promenade der Eitelkeiten; er hat Restaurants, aber keine Beschallung. Die geschützte Bucht ist endlich, die erste Reihe vergeben, das Hinterland von Felanitx noch unterschätzt. Portocolom ist die wahrscheinlichste Antwort auf die Frage, wo der Osten seinen Port d'Andratx hat – nur dreißig Jahre früher.
Porto Petro
Porto Petro ist kaum mehr als ein Hafen mit einem Dorf darum – und genau darin liegt sein Wert. Rund fünfhundert Menschen leben hier, an einer geschützten Naturbucht, in der Fischerboote neben wenigen Jachten liegen. Es gibt keine Hotelmeile, keinen Strand im Ort, keine Gründe für Durchgangsverkehr. Dafür beginnt unmittelbar hinter den letzten Häusern der Naturpark Mondragó, der seit 1992 jede weitere Bebauung der Küste ausschließt – rund 700 Hektar Lagunen, Salzseen und Aleppokiefern. Abends sitzen Einheimische in der Hafenbar, das Wasser schlägt gegen die Kaimauer, mehr passiert nicht. Wer Stille als Anlageklasse versteht, findet hier eine der letzten unverstellten Adressen des Südostens.
S'Alqueria Blanca
Wer verstehen will, was der Südosten vor dreißig Jahren war, fährt nach S'Alqueria Blanca. Das Dorf in den Hügeln zwischen Santanyí und der Küste hat keinen einzigen touristischen Anlass – und genau das macht es zur vielleicht konsequentesten Adresse dieser Strecke. Steinhäuser, eine Plaça mit kleinem Dienstagsmarkt, oberhalb das Santuari de la Consolació mit weitem Blick über das Land. Der Name geht auf das arabische Wort Alqueria zurück, Landgut, ein Echo der maurischen Besiedlung. Die meisten Häuser bewohnen Einheimische, Ferienvermietung ist die Ausnahme geblieben. Die Buchten von Mondragó liegen wenige Minuten entfernt, doch davon ist im Ort nichts zu spüren.
Ses Salines
Ses Salines ist ein Dorf ohne Fassade im doppelten Sinn: keine Souvenirläden, keine Leuchtreklame, nur Natursteinhäuser mit grünen Fensterläden und schattige Plätze. Seinen Namen verdankt der Ort den ältesten Salinen Mallorcas, die südlich des Dorfes bis heute Salz gewinnen. Donnerstags füllt ein kleiner Markt die Plaça Major, danach gehört das Dorf wieder sich selbst. Die Lage ist bemerkenswert: zehn Minuten bis Es Trenc, fünfzehn bis zu den Häfen des Südostens, und doch außerhalb jeder Route. In den letzten Jahren haben einige der besten Landhäuser der Insel hier still den Besitzer gewechselt. Ses Salines ist das Mallorca, von dem man behauptet, es existiere nicht mehr.
Colònia de Sant Jordi
Am südlichsten Punkt der Insel liegt Colònia de Sant Jordi, gewachsen aus einem Fischerhafen, nicht aus einem Bebauungsplan. Vom kleinen Hafen legen zwischen April und Oktober die Boote zum Nationalpark Cabrera ab, einer unbewohnten Inselwelt vor der Küste, seit 1991 unter Schutz. Wenige Minuten entfernt beginnt Es Trenc, rund drei Kilometer Naturstrand mit geschützter Dünenlandschaft; dahinter die Salzfelder, aus denen Flor de Sal in Handarbeit gewonnen wird. Die Hotels sind klein geblieben, die Saison ist kurz, der Winter still. Eine Küste, deren Umgebung gleich doppelt unter Schutz steht – und damit dauerhaft so bleibt, wie sie ist.
Artà
Artà liegt im Nordosten zwischen Bergen und einer Küste, die nie bebaut wurde – und nach der Ausweisung des Naturparks Llevant im Jahr 2001 auch nie bebaut werden wird. Über der Stadt thront die Wallfahrtskirche Sant Salvador, zu der seit dem 14. Jahrhundert Pilger die 180 Stufen steigen. Darunter eine Altstadt aus Steinhäusern und ein Dienstagsmarkt, der Töpferei und Korbflechterei verkauft, nicht Andenken. Vor den Toren liegt Ses Païsses, eine talayotische Siedlung, fast dreitausend Jahre alt. Artà ist kein Küstenort, sondern eine Haltung: bürgerlich, eigenständig, unbeeindruckt vom Lärm der Insel. Die wilden Strände der Halbinsel sind nur zu Fuß erreichbar – und gehören denen, die hier leben.
Capdepera
Capdepera ist die am besten erhaltene Wehrstadt des Ostens. Über den Dächern liegt das Castell, eine vollständig ummauerte Burganlage aus der Zeit um 1300, errichtet unter König Jaume II als Schutz gegen Piraten, mit gotischem Mauerring von 1386. Vom 159 Meter hohen Puig de Capdepera blickt man bei klarer Sicht bis Menorca; darunter ziehen sich steile Gassen mit Steinhäusern den Hügel hinab. Der Ort lebt seine Geschichte ohne Folklore – einmal im Jahr, beim Mercat Medieval im Mai, wird sie selbstverständlicher Teil des Stadtbildes. Wer die Substanz sucht, das Handwerk der Palmflechterei, die mittwochs gefüllte Plaça de l'Orient, bleibt oben im Ort. Die Strände hat man trotzdem in zehn Minuten.
Son Servera
Son Servera, seit dem 13. Jahrhundert dokumentiert, liegt am Fuß des Puig de sa Font und hat sich vom Tourismus seiner eigenen Küste nie vereinnahmen lassen. Das Wahrzeichen ist eine produktive Unvollkommenheit: die Església Nova, 1901 nach Plänen von Joan Rubió i Bellver begonnen, einem Architekten aus dem Umfeld Gaudís, und nie vollendet. Die neugotische Kirche ohne Dach dient heute als Bühne unter freiem Himmel – für Konzerte, Gottesdienste, Trauungen. Freitags füllt der Markt die Plaça Sant Joan, danach gehören die Gassen wieder den Anwohnern. Wenige Minuten entfernt liegt die Costa de los Pinos, eine der diskretesten Wohnlagen der Ostküste. Son Servera ist das Hinterland, das den Wert der Küste trägt.
https://www.mallorca-today.de/santanyi/
https://www.mallorca-today.com/markets/santanyi/
https://www.helencummins.de/santanyi/
https://www.urlaubsguru.de/reisemagazin/cala-figuera-mallorca/
https://www.holamallorca.com/de/mallorca/reisefuehrer/orte/cala-figuera.htm
https://de.wikipedia.org/wiki/Leuchtturm_von_Portocolom
https://mallorcasecrets.de/orte/portocolom/
https://lieblingsinsel.net/sehenswertes/naturpark-mondrago.php
https://de.wikipedia.org/wiki/Parc_natural_de_Mondrag%C3%B3
https://de.wikipedia.org/wiki/S%E2%80%99Alqueria_Blanca
https://www.mallorcatipps.com/orte/s-alqueria-blanca/
https://mallorcard.es/de/markets/weekly-market-ses-salines-mallorca/
https://www.mallorcatipps.com/orte/ses-salines/
https://www.seemallorca.com/colonia-de-sant-jordi
https://de.wikipedia.org/wiki/Col%C3%B2nia_de_Sant_Jordi
https://www.mallorca.com/de/guide/orte/arta/sehenswuerdigkeiten
https://de.wikipedia.org/wiki/Parc_natural_de_la_pen%C3%ADnsula_de_Llevant
https://www.palmaweekly.com/capdepera-mallorca/
https://www.illesbalears.travel/en/mallorca/castle-capdepera
https://visitcapdepera.com/en/medieval-market-of-capdepera-2/
https://karenontour.de/esglesia-nova-in-son-servera-mallorca/
https://mein-mallorca.org/authentischer-wochenmarkt-in-son-servera/
